Vor ein paar Wochen habe ich ein Foto veröffentlicht, das aus einem Shooting mit Benni entstanden ist. Es hat gute Kritiken gefunden und auch Anfragen, wie ich das Bild denn gemacht habe. Das möchte ich euch nicht vorenthalten und präsentiere das erste Mal ein “Making of”.

Mehlshooting

Vom bekannten Schweizer Bodybuilding-Sportler Mischa Janiec gab es ein Mehlshooting-Foto, dass ich sehr faszinierend finde und deswegen schon länger mal ausprobieren wollte. Mit Benni fand ich ein Model, dass nicht nur bereit war mitzumachen, sondern auch die körperlichen Voraussetzungen in perfekter Weise mitbrachte. Das ich mit ihm schon mehrere Shootings gemacht hatte, erleichterte natürlich die Arbeit enorm. Es dauerte eine ganze Weile, bis wir das passende Lichtsetup herausgefunden hatten. Da wir nur zu zweit waren, hatten wir niemanden, der das Mehl gezielt werfen konnte, aber nach einer Weile testen hatten wir auch das Problem gelöst. Doch starten wir einmal mit den technischen Details:

Studio und Lichtsetup

Neben dem üblichen Studio Equipment benötigten wir Maler-Abdeckfolie, um das Studio und möglichst alles, was darin liegt vor dem Mehlstaub zu schützen und natürlich Mehl!

Hinweis: Wenn man mit Mehl oder anderen feinen Stäuben arbeitet, besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer Entzündung des Staubes bei elektrischen Funken oder offenem Feuer. Daher sollte man bei Einsatz größeren Mengen des feines Staubs darauf achten, den Raum gut zu durchlüften und wenn es geht nur ein Dach über dem Kopf zu nutzen und keinen geschlossenen Raum. Da wir mit sehr wenig Mehl gearbeitet haben, war die Gefahr einer Mehlstaubexplosion jedoch sehr gering.

Für das Foto haben wir einen schwarzen Hintergrund verwendet. Je weiter das Model davon entfernt steht, desto einfacher ist es, den Hintergrund wirklich schwarz zu bekommen. Mein Studio lässt da auf Grund der eingeschränkten Größe (7m lang) nicht so viel Spielraum. Den Boden haben wir großzügig mit Malerfolie abgedeckt. Als Lichtquellen kommen drei Blitze zum Einsatz, einer mit einem großen Oktogon 120 cm und zwei mit Softbox 50 x 70 cm.

Licht Setup

Die beiden Softboxen waren seitlich auf der Körperachse angeordnet, die Blitzköpfe oberhalb der Schulter, um diese schräg von oben und ganz leicht von hinten, zu beleuchten. Normaler Weise verwende ich bei Aufnahmen von Sportler noch Abschatter, um den Lichtspalt schmal zu bekommen, dann wäre aber das Mehl nicht so gut zu sehen gewesen. Dem gleichen Zweck dient der vordere Blitzkopf mit dem Oktogon. Dieser ist auf eine minimale Leistung eingestellt, etwa 1/16, damit soll nur das Mehl etwas heller werden und sich besser absetzen. Die seitlichen Blitzköpfe stehen etwa auf 1/4 Leistung. Die Blitzköpfe sind 300 W Köpfe aus der baseline von Venditus – mit denen ich im Übrigen seit 5 Jahren recht zufrieden bin, obwohl sie wirklich günstig sind.

Auf dem folgenden Foto lässt sich die Position der seitlichen Blitze recht gut erkennen:

Blitzposition

Die Aufnahme

Da wir, wie bereits erwähnt, keine dritte Person im Studio hatten, die uns beim Werfen des Mehls helfen konnte, mussten wir etwas improvisieren, was aber letztendlich gar nicht so schwer war. Dazu hat Benni jeweils beide Hände mit etwas Mehl voll genommen und diese in die Luft geworfen. Natürlich waren mehrere Versuche notwendig, um eine schöne Verteilung des Mehls hinzubekommen, aber letztendlich war es weniger zeitintensiv als erwartet. Die einzige Schwierigkeit lag darin, zum Werfen des Mehls auch noch einen passenden Gesichtsausdruck hinzubekommen, was letztendlich auch gelang. Die ersten Fotos, bei denen noch kein Mehl auf dem Körper war, sahen übrigens etwas langweilig aus – wenn ihr also das Shooting beschleunigen wollt, werft schon mal ganz bewusst ein wenig Mehl auf den Körper des Models.

Die Aufnahme erstellt ich – wie immer im Studio, mit ISO 100. Die Belichtungzeit betrug 1/160 sek und die Blende 8 bei 28 mm Brennweite. Fotografiert habe ich mit der Canon 50D und einem Objektiv Tamron 28-70/2.8.

Die Bearbeitung

Nach der nicht eben einfachen Auswahl des Fotos in Adobe Photoshop Lightroom, habe ich mich dann endlich auf ein Foto eingelassen, dass ich, mit dem Vorbild im Hinterkopf, bearbeiten wollte. Absichtlich hatte ich das Vorbild nach dem Shooting nicht mehr angesehen – ich wollte ja schließlich auch etwas eigenen Stil mit reinbringen.

Die Auswahl in Lightroom im Übersichtmodus "N"

Die Auswahl in Lightroom im Übersichtmodus “N”

1. Retusche
Im ersten Schritt geht es an die üblichen Retusche-Arbeiten: hier ein paar Pickel mit dem Reparatur-Pinsel entfernen, die Augen etwas heller machen und gegebenenfalls störende Elemente (Stative, Blitzlampen oder Ähnliches aus dem Bild entfernen). Glücklicher Weise war bei Benni auf diesem Foto nicht viel zu korrigieren.

Das Ausgangsbild in Photoshop

Das Ausgangsbild in Photoshop

2. Grund-Look
Ich arbeite gerne mit dem Filter Plugin Nik Color Efex Pro, von dem ich noch die etwas ältere Version 3 besitze, die aber meine Lieblingsfilter Tonal Contrast und Papertoner enthält. Diesmal kommt jedoch der Filter Bleach Bypass zum Einsatz. Dabei reduziere ich den lokalen Kontrast meistens sehr stark, auf Werte um -50% oder geringer, in diesem Fall habe ich auch noch die Sättigung weiter reduziert.

Bleach Bypass Effekt über Nik Color Efex

Bleach Bypass Effekt über Nik Color Efex

3. Sättigung und Gradationskurve
Im nächsten Schritt habe ich mit einer Einstellungsebene “Kurven” die Helligkeit bei den helleren Mitten etwas angehoben. Damit konnte ich erreichen, dass das Mehl etwas prägnanter zu sehen ist. Außerdem habe ich eine Einstellungsebene “Farbton/Sättigung” hinzugefügt. Damit habe ich die Sättigung weiter verringert, da mir noch zu viel Farbe im Bild war.

Etwas mehr Helligkeit in den  oberen Mitten durch die Einstellungsebene "Kurven"

Etwas mehr Helligkeit in den oberen Mitten durch die Einstellungsebene “Kurven”

4. Oberkörper aufhellen
Im nächsten Schritt habe ich Teile des Oberkörpers etwas aufgehellt, da mir da einige Stellen etwas zu dunkel waren. Dazu habe ich eine neue Ebene angelegt im Modus “Weiches Licht” und mit neutraler Farbe 50% grau gefüllt (bietet der Erstellungsdialog von Ebenen ja praktischer Weise direkt an). Mit dem Abwedler-Werkzeug habe ich dann die Stellen “übermalt” die heller werden sollten. Dazu verwende ich einen Pinsel mit weicher Kante.

Anlegen einer neuen Ebene im Modus "Weiches Licht"

Anlegen einer neuen Ebene im Modus “Weiches Licht”

Aufhellen der gewünschten Bereiche über das Werkzeug Abwedler

Aufhellen der gewünschten Bereiche über das Werkzeug Abwedler

5. Mehl optimieren
Da wir das Mehl weder gesiebt, noch vorsichtig haben herunter rieseln lassen, sieht man an einigen Stellen im Bild richtige “Brocken”. Darum habe ich im nächsten Schritt eine neue, leere Ebene angelegt. Mit dem Reparatur-Pinsel habe ich nun an einigen Stellen die Brocken und Mehlhäufungen wegretuschiert und mit umliegenden Bereichen gefüllt. Normaler Weise würde man solche Retusche-Arbeiten am Anfang machen. Da aber klar war, dass das Bild wenig Farbe und deutliche Kontraste haben sollte, ist diese Retusche zu diesem Zeitpunkt deutlich einfacher, als am Ausgangsbild durchzuführen.

Mit dem Reparaturpinsel wird das Mehl optimiert

Mit dem Reparaturpinsel wird das Mehl optimiert

6. Kontraste erhöhen
Im nächsten Schritt komme ich wieder auf Nik Color Efex zurück. Ich verwende den Filter “Tonal Contrast” mit dem sich Konturen deutlich stärker abzeichnen. In diesem Fall wird dadurch das rieselnde Mehl lebendiger und die Bauchmuskeln erhalten mehr Kontur. Bei den Einstellungen verwende ich meist die Standard-Einstellungen. Außer beim Regler Sättigung, denn stelle ich fast immer auf 0 Prozent. Damit fallen beim Einsatz einer Maske die Übergänge nicht auf.

Tonal Contrast

7. Letzter Schliff mit Dodge & Burn
Nun habe ich noch eine Methode angewandt, die ich aus den Tutorial-Videos von Calvin Hollywood habe, dessen Stil ich mag, was man vielleicht am ein oder anderen Foto bemerkt, dass ich bearbeitet habe. Natürlich mache ich es nicht genau so, wie er, aber die Grundzüge entstammen seinen Tutorials.
Als erstes lege ich eine neue Ebene im Modus “Weiches Licht” an, wie zuvor bereits schon einmal mit 50% Grau gefüllt. Mit “Befehl + J” kopiere ich diese. Die erste Ebene benenne ich mit “dunkel” die Kopie davon mit “hell”. Nun zeichne ich mit dem Abwedler Konturen nach, die ich verstärken möchte. Bei dunklen Konturen halte ich dazu die Alt-Taste gedrückt und male in der Dunkel-Ebene, bei hellen Stellen ohne Alt-Taste in der Hell-Ebene. So lassen sich Muskel-Partien betonen, Nase und überhaupt Gesichtskonturen verbessern, aber auch der Faltenwurf in Kleidung verstärken, was hier natürlich nicht vorkommt. Wie an Hand der übereinander liegenden Grau-Ebenen zu sehen, habe ich hier nur noch ein wenig die Muskeln betont. Der Effekt war mir in diesem Fall im Übrigen nicht sichtbar genug, daher habe ich die Ebenen anschließend noch in “Hartes Licht” umgewandelt. Die Dunkel-Ebene habe ich sogar noch einmal mit den Anpassungen kopiert. Das schöne daran ist, dass ich mit Hilfe der Ebenendeckkraft sehr gut die Effekte steuern kann, selbst wenn ich am Anfang etwas “zu dick aufgetragen habe”.

Konturbetonung mit Hilfe von Dodge & Burn

Konturbetonung mit Hilfe von Dodge & Burn

Das Ergebnis der Dodge & Burn Ebenen

Das Ergebnis der Dodge & Burn Ebenen

8. Abschluss
Den Abschluss bilden immer einige Spielereien mit den Farben. Ich lege ganz gerne mal eine Farbebene oder einen Verlauf im Modus “Normal” oder “Weiches Licht” als letztes drüber und reduziere dann die Deckkraft oder probiere noch diverse Filter aus. Dieses mal ist jedoch nur noch eine weitere Einstellungsebene übrig geblieben. Noch einmal kommt eine Ebene “Farbton/Sättigung” zum Einsatz. Ich habe da noch einmal die Sättigung reduziert, so dass ein farbarmes, aber kontrastreiches Foto entstanden ist.

Letzte Anpassungen - hier nur eine verringerte Sättigung, normaler Weise spiele ich da noch eine ganze Weile mit Ebenen und Farben herum

Letzte Anpassungen – hier nur eine verringerte Sättigung, normaler Weise spiele ich da noch eine ganze Weile mit Ebenen und Farben herum

Damit war das Foto, nach längerem Experimentieren beim Shooting und bei der Bildbearbeitung so weit, dass ich es erst einmal gespeichert habe. Meistens schaue ich ein, zwei Tage oder ein paar Stunden später noch mal drauf und korrigiere etwas, falls es mir noch nicht ganz so gefällt. Doch bei diesem Bild hatte ich etwas bestimmtes im Auge, so dass ich recht zielgerichtet vorgehen konnte.

Ich hoffe, das Bild und meine Beschreibung gefällt euch. Ich würde eventuell auch mal ein Video-Tutorial über die Bildbearbeitung machen. Allerdings nur, wenn ich dazu genügend aufmunternde Kommentare hier unter dem Artikel, in Facebook oder per E-Mail bekomme 🙂

Übrigens: Viele weitere Fotos gibt es auf meiner Facebook-Fan-Page zu sehen: Andreas Reitmaier | Fotografie. Besucht die doch mal und wenn euch die Fotos gefallen, klickt doch bitte “Gefällt mir” an 🙂

Wie im Text erwähnt, arbeite ich, neben Photoshop, noch mit Photoshop Lightroom zur Verwaltung meiner Fotos und zur Ausgabe auf SmugMug beziehungsweise um die Fotos mit einem Wasserzeichen zu versehen. In Photoshop selber habe ich häufig das Silver Efex Plugin von Nik Software zum Erstellen von Schwarz-Weiss-Bildern und Color Efex Pro, hauptsächlich für den Tonal Contrast Filter im Einsatz. Von beiden benutze ich ältere Versionen, die deutlich günstiger sind, als die aktuellen Versionen.

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