Canon 70 – 200 / 2.8 IS I im Praxis-Test

Meine neueste Anschaffung im Bezug auf Foto-Equipment war ein neues Tele-Zoom-Objektiv. Ich habe ein Canon 70 – 200 / 2.8 IS erworben. Damit ergaben sich zwei Gesichtspunkte: erstens das Objektiv als solches und zweitens der Kauf bei einem Gebrauchthändler, dem ich mich in einem zweiten Beitrag widmen werde.

Das Canon 70 – 200 / 2.8 IS ist das Traumobjektiv für jeden Canon Fotografen. Doch der Preis macht das, inzwischen in seiner dritten Generation erschienene Allsound-Objektiv für Normalsterbliche unerreichbar. Glücklicher Weise eigenen sich Objektive sehr gut zum Gebrauchtkauf, da sie eher selten Defekte aufweisen. Besonders sicher kauft man natürlich bei spezialisierten Händlern, die das Gerät vorher prüfen und auch noch Rückgabe bzw. Garantie bieten.

Für die neueste Version des Objektiv ruft Canon einen Preis von 2299,- € auf. Die Version II des Objektivs wechselt oft für 1500 € in Foren den Besitzer. Ich habe daher die erste Generation des Objektivs ins Auge gefasst gehabt, dass in der Regel für knapp über 1000 € verkauft wird.

Das Objektiv – Einsatzbereich

Canon bietet das Objektiv für die Einsatzzwecke „Sport-, Tier- oder Porträtfotografen“ an. Tierfotografie fällt bekanntlich bei mir seltener an. Schwerpunkt bei mir ist zwar die Sportfotografie, aber in der Regel nutze ich dafür das längere 100 – 400 mm ebenfalls aus der Canon L-Serie (siehe Bericht hier). Beim Start der Hallensport-Saison wird sich das sicherlich noch ändern.

Ich habe das 70-200mm f/2.8 vor allem für meine Porträt- und überhaupt Personenfotografie erworben, um noch einemmal einen Tick bessere Aufnahmen zu erzielen und etwas mehr Luft im Bereich schlechter Lichtverhältnisse zu bekommen.

Es ergänzt meine Objektive aber auch optimal, wenn es um Hochzeiten und andere Familienfotos geht. Bei denen möchte ich keinen Blitz verwenden und diese finden oftmals in eher dunklen Räumen (Kirche, Standesamt) statt.

Einsatz bei Hochzeiten – folgt nach der ersten Hochzeit 😉 Update – waren inzwischen ein paar Hochzeiten 😉

In den letzten zwei Jahren habe ich Hochzeiten hauptsächlich mit dem 24-105/4.0 fotografiert. Ein universelles Werkzeug, mit einem weitern Einsatzbereich.

In meinen Augen allerdings etwas leblos. Wie leblos? Wie kann ein Objektiv leblos sein?

Wie schon öfter erwähnt, hat mein Canon 50/1.8 (die billig Variante) einen sehr eigenen Farblook – egal an welcher Kamera. Das 24-105/4.0 zeigt dagegen alles recht neutral.

Macht das Canon 70 – 200 / 2.8 jetzt alles anders?

Nein, sicher nicht, es ist weitgehend neutral, gestochen scharf und lichtstark. Aber nur weitgehend. Es bringt einen angenehmen Look, den ich aber gar nicht genau beschreiben kann.

Doch zurück zum Thema: Hochzeiten:

Auf dem Standesamt nützt mir das Canon 70-200 wenig – ich komme gar nicht weit genug weg vom Geschehen. Toll ist es aber in der Kirche. Da hat es genau den richtigen Brennweitenbereich. Ich muss nicht ständig hin und herlaufen und habe trotzdem immer alles genau im Bild. Dabei hilft natürlich auch die gute Lichtstärke. Sprich, ich kann die Tränen der Brautmutter perfekt einfangen, genauso wie den Kuss oder auch den Chor der singt.

Sobald ich die Kirche verlasse, wechsele ich aber auf das 24-105er. Die Szenen wechseln zu schnell, ich muss öfter mal Gruppen fotografieren und manchmal bin ich ganz dicht dran. Da passt das 70-200 nicht. Nicht von der Brennweite und auch nicht vom Gewicht.

 

Einsatz bei Porträt- und People-Shootings

In meinen Instagram Posts (@andreasreitmaierfotografie) erwähne ich oft das Canon 50 mm/f1.8, weil ich seine Lichtstärke und sein Baket mag. Außerdem gefällt mir sein besonderer Farblook. Dieser Farblook macht es aber auch schwierig, wenn ich neutrale Fotos benötige. Etwa bei Hochzeiten oder Fotos, bei denen Nachbearbeitung geplant ist.

Für Porträts und Ähnliches kommt bei mir ab sofort standardmäßig das Canon 70-200 / 2.8 zum Einsatz.

Das Canon 70 – 200 kann dabei in zwei Bereichen besonders punkten: seiner wirklich guten Abbildungsleistung praktisch über den gesamten Zoombereich hinweg auch ohne abblenden zu müssen und die gleichmäßig hohe Lichtstärke.

Im People-Bereich spielt vor allem die Abbildungsleistung eine große Rolle, denn die kleine Blende nutzt man hier meistens für einen unscharfen Hintergrund / ein schönes Bokeh. Das Bokeh von Blende 2.8 in Zusammenhang mit 200 mm Brennweite macht schon viel her. Die erwähnte Abbildungsqualität und Schärfe beim Hauptobjekt einer Bildkomposition macht dann schon richtig Spaß und lässt erahnen, warum das Objektiv nicht ganz preiswert ist.

Aber auch in schwierigen, weil eher dunklen Aufnahmesituationen, kann das Canon Objektiv punkten. Kommt man mit Blende 2.8 und dem Bildstabilisator doch auch in der Dämmerung noch zu sehr guten, scharfen Aufnahmen.

Einen, im wahrsten Sinne des Wortes, gewichtigen Nachteil des Super-Objektivs sollte man jedoch nicht verschweigen: Zusammen mit einer passenden Kamera bringt das Gespann ein stattliches Gewicht auf die Wage. Deutlich mehr als 3 kg schleppt man dann mit sich rum. Für ein kurzes Shooting stellt das kein Problem dar. Fotografiert man jedoch länger (etwa bei mehreren Models) oder macht man Sportaufnahmen, wird irgendwann der lahme Arm der limitierende Faktor für gute Fotos. Ein bisschen Training kann da sicher nicht schaden.

Fazit

Die Canon 70 – 200 mm der L-Serie sind definitiv nicht die Objektive für Jedermann. Nicht jeder engagierte Fotograf kann und will das Geld dafür ausgeben (Alternative: Gebrauchtkauf). Objektive der Mitbewerber Sigma und Tamron bieten nahezu das Gleiche für teilweise deutlich weniger Geld.

Wer das Quentchen mehr will, greift jedoch bei den grauen Schmuckstücken zu. Diese sind auf jeden Fall nahezu unverwüstlich und bieten alles, was der professionelle oder semiprofessionelle Fotograf benötigt: große Blenderöffnung, scharfe Abbildung, Bildstabilisator.

Was soll ich sagen: Ich fotografiere wirklich gerne mit diesem Monster an Objektiv. Ist es ein Muss für jeden anderen Fotografen? Sicher nicht! Andere Hersteller bieten ebenfalls einiges (vielleicht sogar mehr) für das verlangte Geld.

Ganz nebenbei: Ich nutze noch die Kombi Canon EOS 70d mit dem Sigma 50 – 150 mm / f2.8. Also mit der Crop-Kamera im ganz ähnlichen Brennweitenbereich. Diese Kombi ist vor allem eins: sehr leicht und beweglich und damit super für Shootings geeignet, bei denen man viel unterwegs ist. Das bei einem deutlich geringerem Anschaffungspreis.

Hinweis:

Wie erwähnt, habe ich das Canon 70 – 200 / f2.8 gebraucht gekauft. Wo und wie meine Erfahrung mit dem Verkäufer waren, berichte ich in einem separaten Artikel.

 

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